Geschichte Südtirols

Südtirol war für die Römer ein attraktives Land. Sie eroberten es in der Zeit nach 25 v. Chr. und errichteten die Via Claudia Augusta. Auf dieser gelangten sie leicht über den Alpenhauptkamm nach Norden, was für die Ausweitung des Weltreichs große Bedeutung hatte. In Südtirol selbst nahm die Zahl der römische Siedlungen zu und die Bevölkerung wurde allmählich christianisiert.


Die Römer nannten die Bewohner Südtirols Räter. Eigentlich waren die Leute Illyrer und Ligurer, die sich im Lauf der Zeit mit Kelten und Etruskern vermischt hatten. Nun wurden aus ihnen durch Romanisierung und Christianisierung Rätoromanen.


Nach dem Untergang des Römischen Reiches herrschte viel Unsicherheit. Die Rätoromanen wurden von Bajuwaren, Langobarden und Franken, sowie von durch das Pustertal kommenden Slawen ständig aufs Neue bedroht und immer wieder unterworfen. Eine klare, dauerhafte Ordnung kam in dieser Jahrhunderte langen Phase der Völkerwanderung jedoch nicht zu Stande. Gegen Ende dieser Migrations-Epoche waren die Verhältnisse schließlich doch geklärt. Die Rätoromanen waren germanisiert worden und gehörten dem Reich des Frankenkönigs Karls des Großen an. Nur kleine Teile der Bevölkerung hatten sich in entlegene Gebirgstäler zurückgezogen und blieben rätoromanisch.


Die sextner Dolomiten

Als nach dem Tod Karls des Großen das riesige Frankenreich geteilt wurde, kamen Unterland und überetsch an Trient während das restliche Südtirol dem Herzogtum Bayern zufiel. Es wurde damit ein Teil des Deutschen Reiches.


Um ihre Machtansprüche in Italien besser durchsetzen zu können und um die Nord-Süd Verbindung über die Alpen zu sichern, errichteten die deutschen Kaiser zu Beginn des Hochmittelalters die geistlichen Fürstentümer Brixen und Trient. Diese gaben den weltlichen Bereich der neuen Macht korrekterweise an Vögte weiter, und deren Familien gewannen an Bedeutung. In den nun folgenden Konkurrenzkämpfen setzten sich schließlich die Grafen von Tirol gegen die Epaner durch und 1282 bestätigte König Rudolf von Habsburg den Tiroler Meinhard II. als Grafen des 'Landes an der Etsch und im Gepirg'. Tirol war nun souverän geworden und Südtirol war ein Teil davon.


1363 übergab Margarete Maultasch die Regierungsgewalt über Tirol an Rudolf IV. von Habsburg. Ab nun war das Land die ganze Neuzeit hindurch bis zum Ende der Monarchie nach dem Ersten Weltkrieg in habsburgischen Händen. (Eine Ausnahme stellte die Napoleonzeit dar. Tirol kam damals an Bayern und führte einen erbitterten Abwehrkampf unter Andreas Hofer. Im Zuge der in Anschluß an Napoleons Herrschaft nötigen Neuordnung Europas, die 1814/15 beim Wiener Kongress ausgehandelt wurde, kam Tirol wieder an die Habsburger zurück.) Zu Beginn der Neuzeit kamen Teile des Trentinos und das Pustertal dazu, und so erhielt Tirol seine endgültige Gestalt.


Vom Denken der Reformation beeinflußt, riskierten die Tiroler Bauern 1525/26 unter Führung von Michael Gaismair einen Aufstand gegen die zunehmende Unterdrückung durch Kirche und Landesherren. Wie überall in Europa scheiterten auch sie nach ersten Erfolgen. Im 17. Jahrhundert verlor Tirol den Anschluß an die gesamteuropäischen Entwicklungen und geriet ins politische Abseits. Die katholische Kirche übte während dieser Zeit konkurrenzlos ihre Macht im Land aus und aufklärerisches Gedankengut kam nicht zum Zug. Damals entstand der Mythos vom 'Heiligen Land Tirol'.


Graun im Vinschgau

Nach dem Ersten Weltkrieg war Südtirol nicht mehr bei Tirol und nicht mehr bei österreich. Die Siegermächte hatten es im Friedensvertrag von Saint Germain dem Verbündeten Italien zugesprochen, der es wegen der strategisch günstigen Lage (Brennerübergang über die Alpen) und seiner Wirtschaftskraft beanspruchte. Als Kriegsverlierer konnte der aus dem alten großen Habsburgerreich entstandene Kleinstaat österreich nicht erwirken, daß Südtirol Teil von Tirol und somit österreichisch blieb. Auch die nach dem 2. Weltkrieg neu auftauchende Hoffnung, Südtirol doch wieder zurückzubekommen scheiterte. Das Land blieb bei Italien und im Jahr 1992 kam es zur offiziellen 'Streitbeilegungserklärung' zwischen österreich und Italien.


Bis dahin hatten die Südtiroler eine schwere Zeit zu durchleben. Als deutschsprachige Minderheit waren sie dem Druck der Italiener stark ausgesetzt. Mussolini in der Zwischenkriegszeit betrieb Italienisierungspolitik. Er siedelte viele Italiener an und Bozen wurde zum Beispiel eine dominant italienische Industriestadt. Mit Hitler gemeinsam wurde in der 'Berliner Vereinbarung' ein groteskes Umsiedlungsprojekt in die Wege geleitet. Die deutschsprachige Bevölkerung Südtirols mußte sich entscheiden, ob sie 'italienisch' werden oder in das Deutsche Reich auswandern wollte. In der damaligen Atmosphäre stimmte der überwiegende Teil für das Verlassen der Heimat. Der Zweite Weltkrieg vereitelte jedoch die Durchführung dieses Projektes, und die meisten Südtiroler konnten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.


Frangart

Die deutschsprachige Bevölkerung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg im 'Pariser Vertrag' durch ein Autonomiestatut als Minderheit unter Schutz gestellt. Dieses Statut wurde aber nur zum Teil verwirklicht. Der Unmut äußerte sich in den 60er Jahren durch zahlreiche Terroranschläge deutschnationalisitscher Gruppierungen. Erst in einem zweiten Autonomiestatut, dem sogenannten 'Paket', dessen Umsetzung sich unangenehm in die Länge zog, wurde die Selbstverwaltungsbefugnis der nunmehr 'autonomen Provinz Südtirol' gestärkt.


Heute ist Südtirol eine reiche Region Italiens und beliebtes Reiseziel für Touristen, die das angenehme Klima, die wunderschöne Landschaft, und das südländische Flair sehr schätzen. Die junge Generation wirkt von den nationalen Spannungen weniger belastet, aber erst die Zukunft wird zeigen, ob ein dauerhaftes Zusammenleben der verschiedenen Kulturen gelingt oder ob die unbefriedigenden Entwicklungen nach den beiden Weltkriegen wieder an die Oberfläche kommen und Vieles von dem kapput machen, was man sich inzwischen an Lebensqualität geschaffen hat. Ein 'Vereintes Europa der Regionen' wäre immerhin ein Modell, das Hoffnung auf eine stabile neue Art des Zusammenhalts geben kann.


Sterzing - Heimatort des Drummers



Peter Trautwein Steyr, September 2001